Bildschirmfoto 2014-11-10 um 17.56.38Der Name Luchia Egermann steht in Österreich seit fast zehn Jahren für Erfolg auf der ganzen Linie. Wir haben mit der Nationaltrainerin über das Wettkampfjahr 2014, den Nachwuchs und die Zukunft gesprochen.

 

.. Luchia, das Grand Prix Finale in Innsbruck ist der Abschluss der diesjährigen Wettkampfsaison in der Rhythmischen Gymnastik. Wie war 2014 für das österreichische Nationalteam?

 

Meiner Meinung nach haben wir in diesem Jahr einen großen Schritt nach vorn gemacht. Beispielsweise waren die Platzierungen bei den Weltmeisterschaften kein Vergleich zum Vorjahr in Kiew – Nici Ruprecht konnte sich um 15 Plätze steigern und hat nur um zwei Hundertstel das Mehrkampffinale verpasst. Auch Natascha Wegscheider hat sich sehr gesteigert, ich bin stolz auf beide Mädchen.  Dass Nici jetzt wirklich zur Weltklasse gehört, freut mich am meisten.

 

.. Nicol Ruprecht ist also die nächste Anwärterin für eine Teilnahme an Olympischen Spielen. Wie sehen Sie ihre Chancen, was ist das Besondere an ihr?    

 

Sie hat eine starke Persönlichkeit, was man auch in ihrem Ausdruck auf der Fläche sieht. Sie hatte schon immer alle Möglichkeiten, zur Spitze zu gehören: Sie ist beweglich, hat eine gute technische Basis und dieses besondere Etwas, das es braucht. Trotzdem wird es in den kommenden Jahren nicht leicht für sie – die Top 30 der Welt sind enorm stark.

 

.. Letztes Jahr fanden die Europameisterschaften in Wien statt, im Jahr davor der Grand Prix in Vorarlberg. Was bedeutet es für den Sport, Events in dieser Größenordnung im eigenen Land zu haben?

 

Es symbolisiert, dass die Rhythmische Gymnastik in Österreich schon eine gewisse Tradition hat, was toll für die Mädchen ist. Ich möchte mich in diesem Zusammenhang vor allem bei den Veranstalterinnen bedanken, die mit großem Einsatz solche Wettkämpfe ermöglichen. Petra Gabrielli in Tirol, der ÖFT mit Gabriela Welkow-Jusek, Annires Marchetti in Vorarlberg: Ich bin stolz, dass es in Österreich diese wirklich verrückten Frauen gibt, die sich so für diese Sportart engagieren!

 

.. Solche hochklassigen Wettkämpfe helfen natürlich auch, die Rhythmische Gymnastik bekannter zu machen.

 

Absolut! Diese Events sind sehr hilfreich. Alle Länder, die an der Weltspitze bleiben wollen, veranstalten mehrere große Wettkämpfe im Jahr, wie etwa Frankreich, das jedes Jahr drei Top-Turniere zu bieten hat. Gerade um mehr Nachwuchs in die Vereine zu bringen, ist das essenziell.

 

.. Trotzdem ist die Rhythmische Gymnastik eine Randsportart in Österreich. Was ist noch wichtig, um die Sportart zu fördern?

 

Mehr Fernsehberichterstattung und generell mehr Werbung in den Medien wäre nötig. Die RG ist in Österreich noch nicht bekannt genug, andere Länder sind hier weit voraus. Auch die Rahmenbedingungen sind alles andere als optimal, leider: Es fehlt das Geld für die Aufbauarbeit, nicht nur in der Rhythmischen Gymnastik. Gerade für mich als Ausländerin war es am Anfang erschreckend zu sehen, dass Österreich kein guter Standort für die meisten Leistungssportarten ist. Wenn man Medaillen bei Olympischen Spielen will, muss man viel mehr an der Nachwuchsbasis tun.

 

.. Apropos, wie ist es im Moment um den österreichischen Nachwuchs bestellt?  Na ja, wir werden sehen. Um wirklich an die Spitze zu kommen, braucht es ein Gesamtpaket von Talent, körperlichen Voraussetzungen, harter Arbeit, mentaler Stärke, guten Trainingsbedingungen und so weiter. Einfach beweglich zu sein reicht nicht, die Unterstützung der Eltern ist zum Beispiel genauso wichtig.

 

.. Was erwarten Sie sich von Ihren Schützlingen beim GP in Innsbruck? 

 

Mein Ziel ist, dass Nici ohne eine Wildcard ins Finale kommt, sie kann das schaffen. 

 

.. Danke für das Gespräch!